9
2012
Schöne neue Google Welt
Ab dem 01. März 2012 ändert Google seine Richtlinien für seine AGB und Datenschutzerklärung. Es wird dann nur noch eine einzige, übergeordnete Datenschutz-Richtlinie von Google für alle kostenlosen Dienste und Anwendungen wie z.B. GMail, Blogger.com, Writely, Google Desktop, Earth, Search Toolbar, Finance etc. geben. Der Nutzer sieht sich dann gezwungen dieser übergeordneten Datenschutzerklärung zuzustimmen, wenn er/sie weiterhin als angemeldete Nutzer die Dienste von Google in Anspruch nehmen möchte. Google wirbt damit, dass aus vielen einzelnen Datenschutzerklärungen für jedes einzelne Google Produkt nun eine einheitliche übersichtlich zusammengefasste Datenschutzerklärung eingeführt wird, die einfacher, nutzerfreundlicher und verständlicher ist.
Weiter schreibt Google: „An unseren Datenschutzprinzipien hat sich nichts geändert. Ihre persönlichen Daten werden weder von uns verkauft, noch (abgesehen von seltenen Ausnahmefällen wie wirksamen rechtlichen Anfragen) ohne Ihre Genehmigung weitergegeben.“ Es geht aber weniger um den Verkauf gesammelter Daten, sondern vielmehr darum, dass Google diese für eigene Marketingzwecke einsetzt. Google ist ein internationales Unternehmen mit einer enormen Reichweite, so dass es offensichtlich ist, dass der Verkauf persönlicher Nutzerdaten an Dritte nicht im Interesse des Konzerns stünde. Die Sammlung an Informationen bedeutet Einfluss und Macht und das wird Google mit Sicherheit nicht abgeben oder teilen wollen. Z.B. trägt die stete Verbesserung der Aussteuerungsmöglichkeiten im Google Display Network zu Googles jährlicher Umsatzsteigerung bei. Mit absehbaren Verbesserungen der Steuerungsfunktionen im Google Display Network können User nach Demographie, Geschlecht, Interessen etc. kategorisiert und somit noch gezielter angesprochen werden. Folglich gestaltet sich diese Werbeform nochmal attraktiver für den Werbetreibenden, die über AdWords Werbung schalten.
Zugegeben, Google beherrscht immer wieder die Kunst Unangenehmes hinter dem Deckmantel einer Qualitätssteigerung der Dienste und Anwendungen zu Gunsten der User zu verbergen. Qualitätssteigerung in der Hinsicht, dass durch eine einheitliche Datenschutzerklärung die Suchqualität für den einzelnen User verbessert wird, indem die Suchmaschine über die vorhandenen und vom User angelegten Daten direkten Zugriff hat und somit individuell versteht, ob genau dieser User z.B. bei der Sucheingabe „Jaguar“ nach Informationen über das Auto oder das Tier sucht. Die gezielte Verknüpfung personenbezogener Daten aus unterschiedlichen Diensten und Anwendungen ermöglicht Google ein umfassendes Profil jedes einzelnen Nutzers zu erstellen. Google steht offen dazu, dass der Konzern nicht nur eine Suchmaschine sein soll, die Daten versteht, sondern auch Menschen und Beziehungen. Hinter diesem Satz verbirgt sich mehr Wahrheit, als Google lieb wäre. Denn die menschliche Beziehung zueinander zu verstehen ist der Schlüssel zu einem erfolgreichen Marketing, welches auf Vertrauen basiert.
Nicht umsonst wurde die „Social Media“ Thematik im Internet auch von Google in den letzten Monaten derartig „gehypt“, dass man den Eindruck hatte, dass Google Plus alle anderen Google Thematiken und Toolentwicklungen in den Hintergrund gestellt hat. Zwar ist der offensichtliche Nutzen der Erstellung einer Google Plus Unternehmensseite noch nicht für jedermann gleich verständlich, aber bei der steigenden Anzahl der Google Plus Nutzer haben so manche Unternehmen aber auch Online Agenturen Angst diesen Trend zu verschlafen. Bereitwillig werden immer mehr Google Plus Unternehmensseiten und großzügig Informationen ins Netz gestellt, ohne die Folgen dieses Mechanismus genauer zu hinterfragen.
In Zeiten von Egozentrismus und Bedürfnissen der öffentlichen Mitteilung macht diese Entwicklung auch nicht vor Unternehmen halt. Es ist beängstigend, dass nicht nur die einzelnen User, sondern auch große und kleine Unternehmen – beide Gruppen zwar aus unterschiedlichen Beweggründen – bereitwillig und offenherzig persönliche Daten von sich preisgeben. Durch immer neue Produkte, Bequemlichkeiten und Qualitätsverbesserungen wird das kritische Denken und Hinterfragen des Google Apparates in den Hintergrund gerückt. Die Einteilung einzelner User in bestimmte Zielgruppen und die Entwicklung einer vernetzten Konsumideologie ist schon fortgeschritten. Wer soll diese Entwicklung aufhalten, wenn nicht der User selbst?
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